--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Nachruf:

Deutsche Schillerstiftung von  1859


-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Heilbronner Stimme vom 19. April 2008

Werner Dürrson ist gestorben

Riedlingen - Sein Lebensprojekt hat er noch vollenden können: Knapp ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten und einzigen Romans ist der Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer Werner Dürrson am Donnerstagmorgen gestorben. Der Autor von „Lohmann oder Die Kunst sich das Leben zu nehmen“ erlag im Alter von 75 Jahren auf Schloss Neufra bei Riedlingen einer schweren Krankheit.

......Artikel weiterlesen in der HSt


-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------



-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------



Kritische Ausgabe Signale aus dem Kulturbetrieb  


Just left the building: Werner Dürrson

Miriam Petersen, 23. April 2008, 9:00 Uhr

Vom Vater für einen Nichtsnutz gehalten werden, dafür Schläge bekommen. Und ein Leben lang versuchen, ihn und sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Die Erfahrungen dieser unheilvollen Vater-Sohn-Konstellation kulminieren in Werner Dürrsons Roman Lohmann oder die Kunst, sich das Leben zu nehmen. Eine romaneske Biographie, den der Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer als das größte Projekt seines Lebens bezeichnet hat. Nun ist Werner Dürrson, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten und einzigen Romans, am vergangenen Donnerstag im Alter von 75 Jahren gestorben.

1932 in Schwenningen am Neckar geboren, absolvierte Dürrson nach der Mittleren Reife eine handwerkliche Lehre; von 1953 bis 1955 studierte er mit einem Stipendium Musik und holte anschließend das Abitur nach. Lange hielt es ihn nicht ausschließlich bei der Musik, es zog ihn hin zu den Worten: 1957 begann er, Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaften zu studieren; die Promotion folgte 1962. Als Dozent lehrte er in Poitiers (Frankreich) und als Gastdozent sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Immer wieder lockte es ihn in die Ferne: Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Südafrika, Amerika und durch Europa.

Seine künstlerische Tätigkeit begann schon während seiner Ausbildungszeit, die er selbst als äußerst bedrückend empfand – schließlich hatte er sich wieder einmal dem elterlichen Wunsch gebeugt, etwas »Ernsthaftes« zu lernen. In dieser Phase seines Lebens schrieb Dürrson seine ersten Gedichte, für die er 1951 einen Lyrikpreis der Südwestpresse erhielt. 1956 begegnete er zum ersten Mal Hermann Hesse und widmete ihm den umfangreichen Essay Hermann Hesse – Vom Wesen der Musik in der Dichtung. Er beeinflusste Dürrson als Vorbild, Förderer und Freund. 1959 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband Blätter im Wind, dem noch viele weitere folgen sollten. Für sein lyrisches und erzählerisches Werk erhielt Dürrson zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, etwa den Deutschen Kurzgeschichtenpreis (1973 und 1983), den Literaturpreis der Stadt Stuttgart (1978) und den Eichendorff-Literaturpreis (2001).

Dürrsons Poesie ist abwechslungsreich und analytisch, politisch und kulturkritisch und beweist dabei den hohen ästhetischen Anspruch des vielseitigen Künstlers, der übrigens ein ausgezeichneter Mundharmonikaspieler war und dessen Sprache einmal als »hoch musikalisch« gelobt wurde. Seine Akribie und sein Perfektionismus werden auch in seinem Roman und dessen Entstehungsgeschichte deutlich: Für den Lohmann hat Dürrson gesammelt, seit er zwanzig war. Immer wieder hat es ihn gedrängt, die dominante Vaterfigur literarisch aufzuarbeiten und »gegen sie anzuschreiben«, wie er es selbst einmal formulierte. Gleichzeitig aber fragte er sich: »Hat er mich denn zum Dichter geschlagen?«

(23. April 2008)